Testbericht EXPRESSION-Mundstücke
Die schwarzen Kunststoff-Mundstücke „Made in USA“ erwecken einen guten Eindruck, sind
offenbar sehr sauber gearbeitet, es lassen sich an Oberflächen und Kanten keinerlei
Unebenheiten sehen oder fühlen.
Sie sind für Alto und Tenor Sax jeweils mit den Bahnöffnungen 4*, 5*, 6* sowie 7* erhältlich,
wobei die ersten beiden eher für Einsteiger, die anderen hingegen für Fortgeschrittene sowie
Profis gedacht sind. Ich habe mich freilich besonders für die offeneren Exemplare interessiert,
kann aber die engeren Modelle nach meinem jetzigen Erfahrungsstand Einsteigern guten
Gewissens empfehlen.
Das Mundstück besitzt gegenüber dem Alto-Standard „Meyer USA“ (im aktuellen
Praxisvergleich: 6, medium chamber) eine große Kammer mit längerer Bahn, ein auffällig
langes Fenster, dafür einen kürzeren Tisch. Die Gegenwand ist konkav geformt, die Kammer
eckig mit Kanten am Ausgang, die für Luftverwirbelung sorgen.
Äußerlich sind sich das Meyer und das EXPRESSION im Design-Stil recht ähnlich, aber durch
einige Details nicht zu verwechseln.
Die einzelnen Exemplare werden mit goldfarbener Metall-Blattschraube und schwarzer Kapsel
geliefert, womit man schon gut zurechtkommt, wenn auch der Trend seit einiger Zeit zu Leder-
Ligaturen geht, deren gängige Marken indes ohne Schwierigkeiten passen dürften.
In der Praxis bieten die Mundstücke leichte Ansprache und ausgeglichene Stimmung über den
gesamten Tonumfang, sie reagieren auch dynamisch sehr unproblematisch, machen gutmütig
von sehr leise bis extrem laut alles, was sie sollen. Die Flageoletts („super high notes“)
gelangen mir auf dem Alto nie zuvor so mühelos!
Die EXPRESSIONs klingen im Vergleich zu Meyer oder Berg Larsen weicher und wärmer, verfügen
ebenfalls über eine gute Projektion, sind dabei jedoch nicht so aufdringlich. Sie „beißen“ nicht,
sondern schmeicheln sich lieber volltönend ein, was im normalen Gebrauch freilich zu
begrüßen ist.
Damit lassen sie sich bestens in Ensembles verwenden, wo die Instrumente nicht einzeln
herausragen, sondern eher im Kollektiv verschmelzen sollen, vom klassischen Sax-Quartett
über sinfonische Blasorchester und swingende Big-Bands bis hin zum rockigen Bläsersatz.
Aber sie haben auch solistisch etwas zu bieten, besonders, wenn es um vollen, warmen
„Vintage-Sound“ geht; für extrem grelle Funk-Licks jedoch sollte man vielleicht lieber zu Meyer
oder Metall greifen.
Insgesamt sehr „amtlich“ gefertigte Mundstücke, die alle Grundanforderungen (Ansprache,
Intonation, Klang) bestens erfüllen, darüber hinaus aber auch einen eigenen Charakter
(Wärme, Volumen) besitzen und so den Vergleich mit etablierten Marken nicht zu scheuen
brauchen.
Ich habe die Mundstücke während einer norddeutschen Gospel-Produktion auf Herz und Nieren
geprüft und das 7* sofort ins Herz geschlossen, mit dem ich schließlich sogar die Konzerte und
CD-Aufnahmen einspielte – es wird mich wohl fortan weiter begleiten.
Mein dortiger Sax-Kollege Ole Wollberg durfte ebenfalls mal testen (auf altem französischem
„Pierret“), bestätigte dabei nicht nur meine positiven Eindrücke, sondern „adoptierte“ auch
gleich das 6*, weil es ihm die lange gesuchte Wärme auf dem Alto bot.
Einer meiner fortgeschrittenen Schüler erhielt das 5* zum Anspielen und war nach anfänglicher
Skepsis bald restlos begeistert – seinem Kommentar kann ich mich voll und ganz anschließen:
„Wenn ich das früher kennen gelernt hätte, dann wäre mir viel Sucherei in Musikgeschäften
erspart geblieben!“
Für ihren Preis sind die EXPRESSIONs sowieso unschlagbar, womöglich bilden sie in absehbarer
Zeit einen neuen Standard.
(Rick von Bracken, im Dezember 2008)